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Leseprobe aus : Drucken auf Keramik |
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6. Lithografiedruck Bei
der Lithografie handelt es sich um einen chemischen Druckprozess, der
darauf beruht, dass Wasser und Fett einander abstossen. Einfach ausgedrückt
wird eine Zeichnung oder eine Malerei mit einem fetthaltigen Mittel auf
einer präparierten Platte angelegt. Nach der Behandlung mit einer Reihe
von Chemikalien wird die Platte mit einem feuchten Schwamm angefeuchtet
und dann mit Tinten auf Ölbasis eingefärbt. Die Tinte bleibt nur an den
Stellen haften, die mit Öl bedeckt sind. Wenn die Bilder und Dekore in
der Lithopresse mit Papier in Kontakt gebracht werden, lösen sie sich von
den gezeichneten und gedruckten Bereichen. Die Menge der bei diesem
chemischen Druckverfahren übertragenen Tinte ist für normales Drucken
angemessen, für Keramik ist aber eine grössere Farbdichte erforderlich
als beim Drucken auf Papier. Deshalb wird bei keramischen
Lithographiedrucken Lithofirnis für die einzelnen Farben verwendet. Nach
dem Passieren der Lithopresse wird das Abziehbildpapier mit der gewünschten
Keramikfarbe bestaubt, die nur auf den mit Firnis bedruckten Stellen
haften bleibt. Nach dem Trocknen kann mit einer anderen Platte auf das
Bild gedruckt und so können andere Farben aufgestäubt werden. |
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| Dieser Prozess lässt sich beliebig oft wiederholen, aber Drucke mit mehr als vier Farben sind eher die Ausnahme. In der Keramikindustrie werden für den Lithografiedruck fast nur »berechenbare« Aufglasurfarben verwendet. Da man für die Herstellung lithographischer Abziehbilder teure Spezialausrüstungen benötigt, lässt sich diese Art des Druckens realistischerweise nur in einer Druckerwerkstatt bewerkstelligen. Soweit ich weiss, gibt es ausserhalb der Industrie nur sehr wenige Drucker, die sich auf diesem Feld betätigt haben. Es gibt allerdings Methoden, die mit wenig Aufwand auskommen und bei denen mit Zeitung, Fotokopien und Laserdrucken nach den Grundprinzipien der Lithographie gearbeitet wird. Dabei werden durch die wasserabweisenden Eigenschaften von Tinte bzw. Toner und durch die Absorptionsfähigkeit des Papiers mindestens zwei verschiedene Druckverfahren ermöglicht. Don Santos entwickelte das Prinzip der Viskositätsübertragung: |
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| „Schwarzweisskopierer
arbeiten mit Hitze, die eine Kunststoffkomponente im Toner schmilzt und so
haltbar macht. Die schwarzen Flächen auf der Kopie sind demnach nicht porös.
Wenn man eine Fotokopie mit einer Lösung aus Wasser und einer kleinen
Menge Gummi anfeuchtet, kann man sehen, wie das Wasser vom bedruckten
Bereich abperlt und in die weissen Bereiche eindringt. Farbkörper oder
Oxide werden mit Leinöl zu einer klebrigen keramischen Tinte vermischt.
Wegen dieser Klebrigkeit bzw. Viskosität kann die Tinte an der nicht porösen
Kopierertinte haften bleiben, nicht aber auf dem mit Wasser getränkten
Papier. Die Tinte wird mit einer weichen Farbwalze oder Rolle aufgetragen,
der Überschuss mit der erwähnten Gummi/Wasser-Lösung abgewaschen und
dann wird trockengetupft. Das Papier wird angehoben, auf eine lederharte
Tonoberfläche gelegt und leicht angedrückt. Nach dem Entfernen des
Papiers ist die Abbildung übertragen.“ Eine Methode, die sich - allerdings auf umgekehrte Weise - die physikalischen Eigenschaften Saugfähigkeit und Abstossung zunutze macht, haben Martin Möhwald und Patrick King entwickelt. Hierbei bedeckt die Keramikfarbe nicht den Toner, sondern das saugfähige weisse Papier. |
![]() Gebrannter Druck mit Fotokopie als Abdeckung. Die schwarzen (spiegelverkehrten) Lettern wurden mit Keramikpigment auf Wasser- basis bestrichen. Die bedruckten Bereiche stossen die Tinte auf Wasserbasis ab, das Pigment haftet am Papier. Nach dem Übertragen auf die lederharte Tonoberfläche und dem Brand sieht man deutlich, wie das Keramikpigment vom schwarzen Kopierertoner auf dem Papier abgestossen wurde. Foto Patrick King |
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![]() Patrick King beim Abziehen des Papiers. Darunter das auf die lederharte Tonoberfläche übertragene Bild (hier waren die Buchstaben ursprünglich weiss mit kopiertem schwarzem Hintergrund). |
![]() Fertiger Teller vor dem Rohbrand. |
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Paul Scott, Drucken auf Keramik Seite 112 - 115 |
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